Der praktische und theoretische Kunstunterricht findet seinen Höhepunkt in der 12. Klasse mit der Kunst-Studienfahrt in die Toskana. Hier wird das Erlernte aus der zweiwöchigen Kunstgeschichtsepoche vertieft und die Kunstbetrachtung in der praktischen Anschauung fortgeführt. Die Besichtigung von historischen Bauwerken und die Museumsbesuche werden von den Schülern durch Referate vorbereitet. Außerdem entscheiden sich die Schüler für eine künstlerische Disziplin, Bildhauerei oder Zeichnen, die sie vor Ort praktisch ausüben.

Das Praktikum ist zugleich die »Abschlussfahrt« jeder Klasse.

Ein Waldorfspezifikum, das es so an anderen Schulen nicht gibt.

Das 10- bis 14tägige Praktikum ist Teil des Mathematikunterrichtes der 10. Klasse und bietet einen völlig neuen Zugang zu diesem nicht immer geliebten Fach. Mathematisch werden beim Vermessen und Kartieren eines Stückes Landschaft die in der Trigonometrie erarbeiteten Gesetzmäßigkeiten in einem konkreten Zusammenhang praktisch angewendet. Wobei die Messungen immer das sinnvolle Zusammenwirken Einzelner in einer Gruppe erfordern. Die Einordnung in ein Team hinsichtlich einer klaren Aufgabenstellung wird dabei als Notwendigkeit erlebt. Der Umgang mit den sehr genauen Messgeräten fordert Ruhe und Konzentration.

Feldmessen 2010 081

Daneben bietet das Feldmessen eine hervorragende Schulung der Denk- und Urteilskräfte; muss doch der einer zukünftigen Kartierung dienende Messvorgang der realen Landschaftssituation angepasst werden. Das verlangt Überschau sowie eine der Wirklichkeit angemessene Einschätzung der Lage. Die jeder Messung innewohnenden Fehler müssen bezüglich ihrer Toleranz beurteilt werden. Dabei bedarf die angestrebte Erstellung eines maßstäblich exakten Abbildes eines Stückes Erdoberfläche keiner Korrektur oder Beurteilung durch eine Lehrerpersönlichkeit. Die Sache selbst spricht mit unerbittlicher Deutlichkeit und Objektivität. Steht ein Haus in der Maßstabzeichnung mitten auf der Straße, ist etwas falsch!

Ein vorzüglicher Anstoß zur Selbsterziehung.

Das Sozialpraktikum hat seit langem einen festen Platz im Unterricht der 11. Klasse.
Es dient nicht  zur beruflichen Orientierung im engeren Sinn. Vielmehr begegnen die Schüler dort Menschen, die eine besondere Biografie haben oder dem Ende ihres Lebens entgegengehen. Dazu gehören Menschen, die durch Krankheiten, Behinderungen und Schicksalsschläge dauerhaft oder vorübergehend kein "normales" Leben mehr führen können und Menschen, deren körperliche und geistige Fähigkeiten nachlassen und die dadurch auf Hilfe und Zuwendung angewiesen sind.

Geeignete Praktikumsplätze gibt es in Einrichtungen für behinderte Menschen (z.B. Sprachheilschulen, Freie Martinsschule, Landesbildungszentrum für Blinde, Taubblindenzentrum), in Einrichtungen für Suchtkranke, beim therapeutischen Reiten oder in Alten- und Pflegeheimen. Die Schüler haben ein halbes Jahr Zeit, sich einen Praktikumsplatz auszusuchen. Manche verbinden das Praktikum mit einem Aufenthalt in einem englisch- oder französischsprachigen Land. Wichtig ist, dass die Schüler in der Praktikumszeit nicht nur hospitieren, sondern direkt mit in die Arbeit einbezogen sind. Die Klassenbetreuer bemühen sich, jeden Schüler an seinem Praktikumsplatz zu besuchen.

Es zeigt sich, dass die Begegnung mit Menschen, die in besonderer Weise auf Unterstützung angewiesen sind, von den Schülern als ein tiefes Erlebnis empfunden wird. Diese Erfahrung prägt sie und eröffnet ihnen auch eine neue bewusstere Sicht auf ihren eigenen Lebensweg.

Ihre Erlebnisse tragen die Schüler am Ende auf einem Elternabend vor und schreiben sie in einem Bericht auf.

 

 

In der 9. Klasse fahren unsere Schüler gemeinsam für zwei Wochen auf einen großen biologisch-dynamisch arbeitenden Hof. Zur Zeit ist es der Hof Tangsehl im Landkreis Lüneburg und der Hof Sophienlust in Schierensee.

Zur Website 'Hof Sophienlust'

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Während ihres Aufenthalts durchlaufen sie verschiedene Arbeitsbereiche, auf dem Feld, im Garten oder auf dem Hof. Im Stall lernen die Schüler den Umgang mit den Tieren, die gepflegt und gefüttert werden wollen. Bei Arbeitseinsätzen im Wald bergen sie Brennholz und bereiten es auf. Jeweils eine Gruppe kümmert sich parallel um die Zubereitung der Mahlzeiten und um die Ordnung und Sauberkeit der Unterkunft.

Die Schüler erfahren hier körperlich und sinnlich, woher unsere Nahrungsmittel kommen und welche Mühe nötig ist, sie aufzubereiten. Und sie lernen Menschen kennen, die in der Landwirtschaft sehr hart arbeiten, kaum Freizeit haben und sich dennoch sich mit ihrem Beruf identifizieren.

Neu ist für viele das Leben auf dem Land, fern der Großstadtzivilsation. Sie erleben eine naturnahe und einfache Lebensform, sie sind von morgens bis abends Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt und zelten oder schlafen unter freiem Himmel. Dadurch beschäftigen sie sich auch ganz selbstverständlich mit Fragen des Natur- und Umweltschutzes. 

Nicht zuletzt machen sie alle diese elementaren Erfahrungen nicht alleine. Die Hofgemeinschaft und der feste Rhythmus der Arbeit geben ihnen dafür einen festen Rahmen. So erleben wir immer wieder, dass in dieser Zeit das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Schülern gestärkt wird und sich die Klasse zu einer tragenden und stabilen Gemeinschaft verbindet.

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