Niedersachsens Waldorfschüler wollen die neu gewählten Abgeordneten mit selbst gebastelten Schultüten auf die Unterfinanzierung ihrer Schulen aufmerksam machen.

Hannover, 10. November 2017: Während die Parteien noch über eine zukünftige Regierungskoalition verhandeln, wollen Waldorfschüler aus Niedersachen die Politiker auf ein altes Problem aufmerksam machen: Die Unterfinanzierung ihrer Schulen. An die 50 Schüler aus Hannover und Sorsum basteln deshalb Schultüten, mit denen sie die Abgeordneten bei der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags in Hannover einschulen wollen. Enthalten sind Bildungstaler und Bildungsgutscheine, ebenso wie die Eckpunkte der Kampagne. Für die neue Legislaturperiode gibt es dann auch gleich Hausaufgaben: Die Waldorfschulen treten mit dieser Aktion für eine gerechtere Finanzierung ein.

Niedersächsische Waldorfschulen sind unterfinanziert

„Im Bundesdurchschnitt erhalten Waldorfschulen 4.800 Euro pro Schüler im Jahr. In Niedersachsen sind es über 500 Euro weniger“, erklärt Michael Kropp, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Waldorfschulen. Damit decken die öffentlichen Zuschüsse nur etwa 63 Prozent der Betriebskosten der niedersächsischen Waldorfschulen. Den Rest müssen die Eltern als Schulgeld aufbringen. Das fällt bei der Unterfinanzierung durch das Land umso höher aus. Ob ein Kind eine Waldorfschule besuchen kann, hängt damit zunehmend vom Einkommen der Eltern ab – eine Sonderung nach Besitzverhältnissen, die durch das Grundgesetz untersagt ist.

Noch bis Ende November sammeln die Waldorfschulen Unterschriften

Schüler, Eltern und Lehrer der Waldorfschulen engagieren sich deshalb rund um die Landtagswahl für eine Anpassung des niedersächsischen Finanzhilfesystems für freie Schulen. Neben der geplanten Überreichung der Schultüten haben rund 2.300 Eltern bereits vor der Wahl Postkarten an ihre lokalen Landtagskandidaten verschickt, in denen sie auf die weitreichenden Konsequenzen der Unterfinanzierung hinweisen: Überhöhte Schulgelder und niedrigere Lehrergehälter. In Lüneburg demonstrierten Ende September rund 750 Schüler, Eltern und Lehrer gegen die unfaire Finanzierung der Waldorfschulen. In einer Online-Petition sprachen sich bis heute über 8.000 Menschen in Niedersachsen für eine Aufstockung der Landeszuschüsse aus. Noch bis Ende November sammeln die Waldorfschulen Unterschriften. Dann wollen sie die Petition dem neuen Landtag übergeben.

Politik will das Finanzhilfesystem nicht reformieren

Die Aktivitäten rund um die Landtagswahl sind Teil der Kampagne „Beweg Dich! Für eine faire Schulfinanzierung“ der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Niedersachsen. Die Arbeitsgemeinschaft hat nach der Landtagswahl auch die schulpolitischen Sprecher Stefan Politze (SPD), Kai Seefried (CDU) und Björn Försterling (FDP) sowie Anja Piel, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, auf abgeordnetenwatch.de zur Finanzierung freier Schulen befragt. Die Politiker versprachen eine Anhebung der Finanzhilfen – eine grundlegende Reform des Finanzhilfesystems stellten sie jedoch nicht in Aussicht. Diese ist jedoch notwendig, um die finanzielle Situation der Waldorfschulen nachhaltig zu verbessern.  

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