Zeugnisse
An Waldorfschulen werden bis zur Oberstufe keine Noten vergeben. Statt dessen bekommen die Schüler einmal im Jahr ein schriftliches Zeugnis. Darin fassen die Lehrer die Entwicklungen der einzelnen Schüler, die sie während des vergangenen Schuljahres beobachten konnten, in ausführlichen Beschreibungen zusammen. Auf die persönlichen Leistungen, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten können die Lehrer so differenziert eingehen
Da in der Freien Waldorfschule die Schüler nicht durch Sitzenbleiben bedroht sind, haben die Zeugnisse auch keine Funktion als Ausleseinstrument. Die individuelle Charakterisierung zeigt vielmehr die Entwicklungsperspektiven für das kommende Schuljahr auf.
In der Unter- und Mittelstufe wird das Zeugnis in der Regel durch einen sogenannten Zeugnisspruch ergänzt, den der Klassenlehrer individuell für jeden Schüler auswählt oder sogar selbst verfasst. In dem Spruch werden in künstlerischer Form die persönlichen Entwicklungsaufgaben bildhaft angesprochen. Im nachfolgenden Schuljahr spricht jeder Schüler einmal wöchentlich (oft am Wochentag seiner Geburt) diesen Zeugnisspruch vor der Klasse.
In der Oberstufe werden in den höheren Klassen zur Orientierung Noten gegeben. Nach dem 12. Schuljahr erhält jeder Schüler neben dem schriftlichen Zeugnis auch ein benotetes Abschlusszeugnis.
Zeugnisspruch
Aus Stein und Blume, Mensch und Tier
spricht Gottes Herrlichkeit zu mir.
Ich will alleine
ihrem Glanz
mein ´ Aug und Ohren
öffnen ganz.
Sie dringen in
mein Herz hinein,
dass ich kann gleichwohl leuchtend sein.
Lore Schäfer
